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generationenübergereifender Zusammenhalt

Ausstellung "Grenzen im Wandel - Leben und Zusammenleben in der Grenzregion Oberwart"

Beim Arkadenfest der reformierten Kirchengemeinde Oberwart, am 20. September 2026, wurden sieben zweisprachige Schautafeln ausgestellt.

Sie thematisieren verschiedene Aspekte vom Leben an und mit Grenzen. Die Grenzregion Oberwart steht im Zentrum und wird sozial-historisch und mit einem Fokus auf intergenerationale Unterschiede und Entwicklungen thematisiert. Dies wird anhand historischer Unterlagen sowie Interviews mit jungen und alten Personen erfasst. Darüber hinaus wird untersucht, welche weiteren – z. B. ethnischen, sprachlichen oder generationalen – Grenzen für das Leben der Menschen in der Region relevant sind. Im Zuge der Ausstellung werden die verbindenden Eigenschaften von Grenzen sowie die Vorteile grenzübergreifender Aktivitäten und Perspektiven hervorgehoben.

Schautafeln als PDF

Interviewauszüge

Lidia (90):

„Wir waren öfters über der Grenze in Ungarn, auch wie die Russen noch dort waren. Mit dem Herrn Pfarrer Gyenge waren wir früher jedes Jahr auf Ausflug drüben. Wir sind mit dem Bus hinübergefahren – dieser Bus ist bis zur Öffnung vom eisernen Vorhang zwei Mal in der Woche gefahren, das war die einzige Möglichkeit über die Grenze zu kommen. Aber da hat man genaue Formulare ausfüllen müssen – es war ganz streng geregelt, was man mitnehmen darf und was nicht. Zum Beispiel wie viel Geld man mitnehmen darf – natürlich waren dann die Jackentaschen von den meisten Leuten trotzdem gefüllt mit unangemeldetem Bargeld. Aber auch dann war das Einkaufen nicht einfach: Es hat zwar viele Dinge gegeben, die man haben wollte, aber die Liste davon, was wieder nach Österreich mitgenommen werden durfte war sehr beschränkt. Wenn etwas für die Grenzler nicht gepasst hat, dann habe sie das entweder eingesteckt oder sogar in die Container weggeworfen. Wie mein Schwiegervater gestorben ist, haben wir schwarzes Gewand für die Beerdigung gebraucht. Da bin ich mit meiner Nachbarin über die Grenze gefahren und haben das Gewand dort gekauft – am Rückweg haben wir dann drei bis vier Schichten Gewand angehabt, dass die Grenzler das nicht bemerken. Das ist alles nach der Öffnung 1989 viel einfacher geworden und heute ist das Ganze sowieso kein Thema mehr. Wir nehmen zwar immer noch den Reisepass oder Personalausweis mit, aber das interessiert im Normalfall keinen Menschen.“


Isabella (80):

„Die Grenze bedeutet für mich viel, weil ich sehr viele Freunde und Bekannte in Ungarn habe. Und früher nach der Öffnung, kann ich mich erinnern, haben wir öfters Salami, Eier und andere Lebensmittel in Ungarn gekauft – das war viel günstiger und zu einem guten Teil auch besser. Da hat man aber gut aufpassen müssen bei den österreichischen Zöllnern, die haben dann oft gut gegessen auf unsere Kosten – weil vieles davon durfte man ja nicht über die Grenze nehmen. Aber wir waren auch gefinkelt: Gänsefedern waren auch sehr günstig in Ungarn. Und mit vier anderen Frauen bin ich jeden Monat zum Friseur gefahren. Und da haben wir einmal 5 Kg Federn gekauft, in eine Tuchent reingegeben und uns auf dem Rücksitz draufgesetzt. Damit sind wir durchgekommen, ohne die Federn verzollen zu müssen. Aber während der Zeit vom eisernen Vorhang war es nicht einfach über die Grenze zu können. Da hat man mit dem Bus fahren können, jedoch haben wir einiges – damals in etwa 1000 Schilling – zahlen müssen, damit wir für fünf Tage nach Ungarn dürfen. Bei dem Aufenthalt haben wir dann eine Therme besucht und bei einer ungarischen Familie übernachtet. Dort waren auch Ost-Deutsche Besucher:innen, die gerne über die Grenze nach Österreich gekommen wären, um dem Ost-Block zu entkommen. Das ist heute natürlich ganz anders und alle sind froh, dass sie problemlos über die Grenzen reisen können.“

Onlinequellen:


Literatur:

  • Hilbert, Bálint. 2023. New Aspects in Historical-Geographical Research of the Austro-Hungarian Monarchy: The Legal Nature of the Customs Union and Migration Links between Austria and Hungary (1870-1910). In: Annals of the Austrian Geographical Society, Vol. 165, pp 63-89.
  • IZ – Verein zur Förderung von Vielfalt, Dialog und Bildung (Hg.): border(hi)stories – 100 Jahre Grenzgeschichte(n). Gemeinsames stärken, Trennendes überwinden. 2022.
  • Kropf, Rudolf (Hg.): Diesseits und jenseits der Leitha. Grenzen und Grenzräume im pannonischen Raum. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Band 156, Eisenstadt 2015.
  • Reiss u. a. (Hg.): Oberwart – Stadt der Vielfalt. 2020.

Recherche und inhaltliche Gestaltung: Simon Bittner

Layout: Simon Bittner

Lektorat: Benjamin Schuster und Judit Schuster-Gyenge


Recherche, Textkürzung und Übersetzung wurde durch künstliche Intelligenz unterstützt (GPT5.5, GPT5.6 Sol & DeepL).